Tragende Wände

Tragende Wände sind ausgelegt, um Druck aufzunehmen. Sie sichern vertikale Lasten, wie zum Beispiel Decken, aber auch horizontale Lasten in Form von Wind oder Ähnlichem ab. Kalksandstein eignet sich schon bei einer Wandstärke von 11,5 cm als tragende oder auch aussteifende Wand. Unter dem Begriff „kurze Wand“ versteht man Pfeiler und Wände, die eine Querschnittsfläche unter 1.000 cm² haben. Gemauerte Querschnitte, die unter 400 cm² liegen, sind als tragende Fläche nicht erlaubt.

Aussteifende Wände sind grundsätzlich tragende Wände. Es handelt sich dabei um scheibenartige Bauteile, die zur Aussteifung von Bauwerken oder Knickaussteifungen der tragenden Wände verwendet werden. Auch hier gibt es bauliche Vorschriften. Diese Wände müssen eine mindestens wirksame Länge von 1/5 der lichten Stockwerkshöhe habe. Außerdem ist bei der Dicke 1/3 der auszusteifenden Wand nötig, mindestens aber 11,5 cm.

Kann ein Laie tragende Wände erkennen?

Diese Frage kann man so nicht generell beantworten. Schließlich gab es früher keine Statiken in dem Sinne, wie sie uns heute bekannt sind. Man hat damals „nach guten Gewissen“ gebaut. Es gibt allerdings einige Anhaltspunkte, die eine Unterscheidung von tragenden und nicht tragenden Wänden in den meisten Fällen zulassen. Wer sich nicht sicher ist, sollte nie eine Wand entfernen. Vielmehr ist es dann ratsam, einen Fachmann zu befragen. Der Abriss nur einer tragenden Wand könnte verheerende Folgen nach sich ziehen.

Alle Außenwände sind als tragende Wände einzustufen und sollten niemals eigenständig entfernt werden. Außenwände sind nur mit wenigen Ausnahmen entweder tragend oder mindestens aussteifend. Ein Laie kann den Unterschied nicht erkennen. Besteht eine Innenwand aus Gipsdielen oder handelt es sich um eine Trockenbauwand, kann immer davon ausgegangen werden, dass diese Wand nicht tragend ist. Achtung beim Abriss, denn in diesen Wänden sind meist Wasser- und Stromleitungen verlegt. Alle Wände dagegen aus festem Mauerwerk könnten tragend sein.

Beim Neubau sind Mauern unter 11,5 cm Stärke nicht tragend. Achtung, beim Messen den Putz berücksichtigen. Die DIN-Norm besagt, dass tragende Mauerwerkswände mindestens 11,5 cm messen müssen. Meist sind die tragenden Wände im Neubau stärker. Steht eine solche schmale Wand am Treppenloch muss immer davon ausgegangen werden, dass sie tragend ist.

Bei Altbauten ist Vorsicht geboten. Ein Hinweis für tragende Wände kann sein, dass sie Geschossweise übereinander angebracht sind. Dadurch werden die Kräfte nach unten abgeleitet. Ist also beim Geschoss unter oder über der fraglichen Wand nicht eine Wand in gleicher Höhe, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um keine tragende Wand handelt. Im Zweifel sollte allerdings immer ein Fachmann befragt werden.

Ist eine Wand mindestens 17,5 cm, dann ist so gut wie sicher, dass es sich um eine tragende Wand handelt. Alles, was darüber liegt, ist mit 100%iger Wahrscheinlichkeit eine tragende Wand. Ohne einen Fachmann sollten diese Wände nicht angetastet werden.

Bei Fachwerkhäusern ist es problematisch zu bestimmen, welche Wand eine tragende Funktion hat. Sie wurden zu Zeiten gebaut, in denen noch nicht nach statischen Berechnungen gearbeitet wurde. Tradition und Erfahrungswerte waren damals die Grundlage für den Bau. Die Konstruktionen dieser Gebäude unterliegen außerdem starken regionalen Unterscheidungen. Da die meisten Fachwerkhäuser zudem unter Denkmalschutz stehen, sollten hier Veränderungen nur mit fachkundigen Spezialisten und unter den gegebenen Vorschriften vorgenommen werden.